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Kategorie: Philosophie

Seminarfrage 3: Die ungehemmten Kulturmenschen

Sigmund Freud bemerkt interessanterweise, dass die „primitiven Völker“ mehr Hemmung und Scham empfinden, was das Töten von Feinden betrifft als die „Kulturmenschen“. Er schreibt: „Der Wilde – Australier, Buschmann, Feuerländer – ist keineswegs ein reueloser Mörder; wenn er als Sieger vom Kriegspfade heimkehrt, darf er sein Dorf nicht betreten und sein Weib nicht berühren, ehe er seine kriegerischen Mordtaten durch…

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Seminarfrage 8: Skizze einer Theorie der Lust

    Für Sigmund Freud besteht die Unlust aus Spannung im psychischen Apparat (ausgelöst durch Reize wie z. B. Hunger oder Kälte). Die Lust entsteht durch Abfuhr dieser Spannung: „In der psychoanalytischen Theorie nehmen wir unbedenklich an, daß der Ablauf der seelischen Vorgänge automatisch durch das Lustprinzip reguliert wird, das heißt, wir glauben, daß er jedesmal durch eine unlustvolle Spannung…

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Seminarfrage 7: Von der atomistischen Ontologie zur Ethik der Lust

Demokrit formuliert mit seiner Lehre von den Atomen und dem „Leeren“, in dem sie sich bewegen, eine materialistische Ontologie. Sie lässt sich (wie von Epikur und Lukrez) in dem Doppelsatz zusammenfassen: „Nichts wird aus nichts, und nichts wird zu nichts.“ [1] Zusammen mit Demokrits Satz „Das Ichts existiert ebensowenig wie das Nichts“[2] kann man dies als einen philosophischen Kampf gegen…

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Der Heiligenscheinorgasmus: Wie Identitätspolitik den Geist tötet

Mein Freund, der brillante deutsch-indische Philosoph Pravu Mazumdar, war mir, lange bevor ich ihn persönlich kennenlernen durfte, bekannt. Wenn auch nicht namentlich. Vor Jahren hatte ich auf YouTube das Video eines Vortrags von Slavoj Zizek gesehen, in dem er von einem aus Indien stammenden Philosophen sprach, der als profunder Kenner der französischen Gegenwartsphilosophie über diese ein Buch geschrieben hatte. Nach…

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Das Ichts, oder: Hat Demokrit gelacht?

Die Bedeutung eines philosophischen Satzes hängt sehr oft von seiner Form ab – das heißt: von seinem präzisen Wortlaut, und mithin von der Tonlage oder dem Wortwitz, den er aufweist. Vom materialistischen Philosophen Demokrit, auch „der lachende Philosoph“ genannt, ist ein merkwürdiger Satz überliefert: „Das Nichts existiert nicht mehr als das Ichts.“[1] In der jüngsten philosophischen Forschung hat dieser Satz…

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Die UNsammlung

das Unappetitliche das Unanständige das Ungewöhnliche das Ungestüme (gibt es auch das Gestüme?) das Unstete das Unbedingte das Ungehemmte das Unwiederbringliche das Ununterschiedene das Ununterbrochene das Unangenehme das Unangebrachte die Unruhe das Unheil der Unhold (gibt es auch einen Hold?) das Unerhörte das Unerlöste das Uneingelöste das Ungehörige das Unschöne das Ungute das Unerwartete das Unheilige das Unbedingte das Unreine…

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Die Dinge und die Undinge des Protagoras

Parmenides, genannt „der Vater“, hat der Suche nach dem Nichts (hôs ouk estin – „dass etwas nicht ist“[1]) von vornherein einen Riegel vorgeschoben: „Von diesem Weg der Suche halte dich fern.“ (DK 28 B 1-19) Alle folgenden Philosophen setzten sich nun mit diesem Verbot auseinander, so auch der Sophist Protagoras aus Abdera. Sein berühmter Homo-mensura-Satz bezieht, wenn er vollständig gelesen…

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Das Un-, der Eros und der Andere

Heute ist mir bei der Lektüre von Byung-Chul Han’s „Agonie des Eros“[1] eine Stelle untergekommen, die sich direkt auf das Phänomen des Undings bezieht, dem die schöne Idee eures Blogs gewidmet ist. Sie lautet so: „Heute kann allein eine Apokalypse uns aus der Hölle des Gleichen zum Anderen hin befreien, ja erlösen. So beginnt Lars von Triers Film Melancholia mit der…

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DAS DEN, WIE ES IN DIE WELT KAM

Eine sehr plausible These besagt, dass der antike Atomismus aus der Konfrontation mit der eleatischen Philosophie hervorgegangen ist. Es ging um das Problem der Veränderung. Die Eleaten lösten das Problem indem sie behaupteten, dass es Veränderung nicht gibt. Der Gründer ihrer Schule, Parmenides aus Elea, stellte ein streng deduktives System[1] auf, aus dessen Prämissen sich logisch diese Lösung ergibt. Nach…

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