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Seminarfrage 6: Das Glück Epikurs

 

 

 

Studieren Sie das folgende Zitat von Epikur:

 

„Bei ruhiger Betrachtung dieser Dinge ist jede Neigung und Abneigung auf die Gesundheit des Körpers und die Ungetrübtheit der Seele zurückführbar, da dies ja das Ziel eines glücklichen Lebens ist. Für dieses Ziel tun wir alles, damit wir weder leiden noch aufgewühlt sind. Sobald uns das einmal völlig klar ist, legt sich der ganze Sturm in der Seele, und das Lebewesen muß nicht mehr umherirren und nach etwas suchen, was das Gute der Seele und des Körpers ergänzen würde. Wir brauchen immer dann eine Freude, wenn sie fehlt und wir darob leiden. Wenn wir aber nicht leiden, bedürfen wir ihrer nicht.“

(Epikur, Über das Glück. Brief an Menoikeus, in: ders., Über das Glück, Zürich: Diogenes, 1995: 47–60, hier: 54)

 

Wie denkt Immanuel Kant in seinem Aufsatz über die „negativen Größen“ zu diesen Fragen?

Ist er ein Verbündeter oder ein Gegner dieser Auffassung?

 

Welche anderen Argumente  zu diesen Fragen können Sie finden (bitte mit Quellenangabe!)?

 

 

Ein Kommentar

  1. Laura Henter Laura Henter

    Epikur betrachtet Glück und Unglück funktional: Freude wird nur dann gebraucht, wenn ein Mangel oder Leiden vorhanden ist und fällt weg, sobald Körper und Seele ungestört sind (Epikur, 1995). Glück stellt für Epikur also keine ontologische Notwendigkeit dar, sondern wird als Mittel verstanden, um fehlendes Wohlbefinden zu ergänzen. Unglück ist nur insofern relevant, als das Bedürfnis nach Freude erzeugt und dann verschwindet, wenn das Leben wieder ungetrübt ist.

    Im Gegensatz dazu unterscheidet Kant in seinem Aufsatz über die „negativen Größen“ zwischen dem logischen Widerspruch und der realen Opposition. Das bedeutet, dass negative Zustände nicht bloß die Abwesenheit von positiven Zuständen sind, sondern reale Gegensätze, die eigenständig wirksam sind. Wenn man dies nun auf das Verhältnis von Glück und Unglück überträgt bedeutet das, dass Unglück keine Negation von Glück, sondern eine reale Erfahrung ist, die eigenständig existiert und erst im Kontrast die Wirkung von Glück spürbar macht. Anders als bei Epikur wird Glück also nicht nur durch das Fehlen von Leid bestimmt, sondern entsteht in einer Spannung, die durch reale Gegensätze vermittelt wird (Kant, 1763).

    Auch Aristoteles und Tatarkiewicz weisen auf die Bedeutung des Kontrasts hin. Aristoteles beschreibt in der Nikomachischen Ethik, dass Glück (eudaimonia) nicht nur durch die Abwesenheit von Leid, sondern durch ein tugendhaftes, erfülltes Leben erfahrbar ist (Aristoteles, 2009).
    Tatarkiewicz betont, dass Freude ohne Vergleichsgröße kaum wahrgenommen wird und, dass Unglück den Rahmen schafft, in dem Glück bewusst erlebt werden kann (Tatarkiewicz, 1976).

    Glück und Unglück wirken also wie reale Gegensätze, die einander erst erfahrbar machen und sich nicht auf Abwesenheit oder funktionale Ergänzung reduzieren lassen. Ähnlich wie bei Kants „negativen Größen“ zeigt sich, dass das Negative nicht nur Mangel ist, sondern eine eigene Wirksamkeit besitzt.

    Aristoteles (2009): Nikomachische Ethik.
    Kant, Immanuel (1763): Versuch, den Begriff der negativen Größen in die Weltweisheit einzuführen.
    Tatarkiewicz, Władysław (1976): Analysis of Happiness.

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