Für Sigmund Freud besteht die Unlust aus Spannung im psychischen Apparat (ausgelöst durch Reize wie z. B. Hunger oder Kälte). Die Lust entsteht durch Abfuhr dieser Spannung:
„In der psychoanalytischen Theorie nehmen wir unbedenklich an, daß der Ablauf der seelischen Vorgänge automatisch durch das Lustprinzip reguliert wird, das heißt, wir glauben, daß er jedesmal durch eine unlustvolle Spannung angeregt wird und dann eine solche Richtung einschlägt, daß sein Endergebnis mit einer Herabsetzung dieser Spannung, also mit einer Vermeidung von Unlust oder Erzeugung von Lust zusammenfällt.“ (S. Freud: Jenseits des Lustprinzips. In: ders.: Gesammelte Werke, Bd. XIII: 3)
Andererseits erkennt Freud den Umstand an, dass das Wort „Lust“ nicht nur die Freude an etwas, sondern auch die Freude auf etwas bedeutet:
„Das einzig angemessene Wort der deutschen Sprache „Lust“ ist leider vieldeutig und benennt ebensowohl die Empfindung des Bedürfnisses als die der Befriedigung.“ (S. Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie. In: ders.: G. W. Bd. V: 33, Anm.)
Man kann nicht nur beim Schauen eines guten Films Lust empfinden, sondern auch bereits die ganze Woche davor Lust auf Kino haben.
Das wirft einige Fragen auf:
- Wie passt diese freudige Erregung (die Lust aufs Kino) zur Theorie von der Lust als Abfuhr von Erregung?
- Und wenn man schon freudige Erregung empfindet, warum ist dann das Schauen des guten Films, auf den man sich gefreut hat, auch lustvoll? Müsste die Abfuhr der lustvollen Spannung denn nicht unlustvoll sein? (Wenn doch die Abfuhr unlustvoller Spannung lustvoll ist!)
Versuchen Sie, Ihre Theorie der Lust in knapper Form, d. h. ungefähr auf einer Serviette, zu skizzieren. Wie könnte man ihr Funktionieren beschreiben?
