Was ist Ihnen unklar geblieben in Mirt Komels Gastvortrag (siehe Seminarmaterialien: https://dasunding.kunstuni-linz.at/aktuelles-seminar/ )?
Formulieren Sie Ihre Frage. Und versuchen Sie, sie selbst anhand des Textes – sowie, falls nötig, anhand zusätzlicher Literatur – zu beantworten.

1. Wie ist der ontologische Status der demokritischen Leere (κενόν) zu bestimmen, wenn es als Nicht-Sein bezeichnet wird, zugleich aber als reale Bedingung von Bewegung und Werden fungiert?
Der leere Raum scheint im Atomismus weder als Sein noch als Nichts zu fungieren. Demokrit etabliert vielmehr eine ontologische Differenz innerhalb des Seins selbst, indem er das Volle (πλῆρες) und das Leere (κενόν) als Prinzipien setzt. Das Leere dürfte Nicht-Sein im begrifflichen Sinn sein, besitzt jedoch ontologische Wirksamkeit, insofern es Bewegung, Trennung und Relation ermöglicht. In hegelscher Perspektive lässt sich dieses Nicht-Sein als reale Negativität fassen, die nicht bloße Abwesenheit ist, sondern das innere Prinzip des Werdens darstellt und der leere Raum könnte demnach als strukturelle Unterbrechung im Sein interpretiert werden, was aber meines Erachtens kontrovers ist.
2. In welchem Verhältnis stehen Berührung, Sinneswahrnehmung im Allgemeinen und der ontologische Begriff der Materie im demokritischen Atomismus?
Materie erscheint bei Demokrit nicht primär als Substanz, sondern als Resultat von Bewegung und Berührung. Die sinnlich erfahrbare Körperlichkeit entsteht erst im Kontakt der Atome, die selbst unsinnlich bleiben. Sinneswahrnehmung ist daher nicht der Ursprung, sondern die Grenze des Materiebegriffs. Das Reale der Materie ist nicht vollständig im Sinnlichen aufgehoben, sondern verweist auf eine unsinnliche Bedingung, die sich der Erfahrung entzieht. Ontologisch scheint Materie somit nicht mit Wahrnehmbarkeit identisch zu sein.
3. Welche ontologische Funktion erfüllt das Clinamen innerhalb des atomistischen Systems, und in welchem Verhältnis steht es zu modernen Konzepten von Indetermination wi etwa in der Quantenphysik?
Das Clinamen bezeichnet eine ursachlose Abweichung der atomaren Bewegung, durch welche die Kausalität der Natur unterbrochen wird. Es ist weder als Zufall im statistischen Sinn noch als epistemische Unbestimmtheit zu verstehen, sondern als ontologisch notwendige Kontingenz. Ohne das Clinamen wären weder Kollision noch Weltbildung möglich. Während die moderne Quantenmechanik Indetermination formalisiert, bleibt das Clinamen ein nicht-formalisierbarer Einschnitt im Sein selbst. Es markiert anscheinend eine strukturelle Offenheit der Natur, die nicht erklärt, sondern nur gesetzt werden kann, wobei dies gewisse Ähnlichkeiten zum „objektiven Zufall“ und zur „sponatanene Symmetriebrechnung“ der Quantenphysik aufweist.